Dienstag, März 21, 2017

Split - Doppelleben

Freitag 18 Uhr und schon wieder habe ich viel zu viel Zeit im Büro verbracht. Wollte ich nicht eigentlich früher gehen? Komisch, dass ausgerechnet Freitags jeder noch etwas von mir möchte und um 17 Uhr noch Termine einstellt. Die Zahlen sind noch nicht fertig, aber die Deadline muss gehalten werden. Stundenlang habe ich mich durch das System gewühlt, Korrekturen hochgeladen und mit den Regionen telefoniert und dennoch sind sie nicht perfekt. 
Mist, schon wieder zu spät losgelaufen. Mit dem Laptop in der Hand renne ich die letzten Meter zur Bahn und erwische sie gerade so. Zum Glück trage ich Sneaker. 

Musik in die Ohren und Welt aus! 

Auf dem Weg nach Hause lasse ich die Woche noch einmal Revue passieren. Wie immer stellt ich mir diese eine Frage: "Will ich das alles überhaupt noch?". Von früh bis spät kämpfe ich mich Tag für Tag durch den Excelwald und prüfe und analysiere Zahlen. Ich weiß, dass diese Arbeit notwendig ist, aber oft kommt es mir vor wie reine Beschäftigungstherapie. Im Konzern ist man nunmal ein kleines Rad im großen Ganzen. Man sieht kaum Resultate und ich habe mich längst damit abgefunden, mit meiner Arbeit nicht die Welt zu verändern. 
Die Aussichten nach meinem Studium sind grandios, bei Übernahme winkt ein sicherer Arbeitsplatz und eine sehr gute Bezahlung. 


Doch ist es mir das tatsächlich wert? 



Hauptbahnhof. Ich nutze die 5 Minuten um mir die Riddim am Kiosk zu kaufen. Mein Wochenende beginnt. Über Excel, die Zahlen und meine Zukunft kann ich mir auch noch am Montag Gedanken machen. Gedankenverloren blättere ich durch die Zeitschrift, während Vybz Kartel mir Wine to di top ins Ohr singt. Automatische beginne ich meine Hüfte leicht zu bewegen. In meinem Kopf gehe ich die Moves, die ich im letzten Workshop gelernt hatte durch. Am liebsten würde ich auf der Stelle anfangen zu tanzen, oder wie die meisten es bezeichnen würden, zu twerken.

"Michelle, halte dich zurück, da sind noch andere Menschen" denke ich und grinse amüsiert. Das war ich. 

Im Büro noch zugeknöpft und das brave Küken, durchwühle ich abends meinen Schrank nach dem passenden Croptop und meiner Netzstrumpfhose. Meine Freunde kennen es, das Doppelleben, das ich Tag ein Tag aus führe. Musterlebenslauf und Job um den mich viele beneiden würden, aber sobald ich das Büro verlasse... Klick ein anderer Mensch. Keiner würde erahnen, dass ich Controller bin und bald meinen Master habe. Verrückt, kreativ, verliebt in Jamaika und das Leben.
Es klingelt, sie sind da. Wir tauschen uns über den neusten Klatsch und Tratsch sowie die Ereignisse der Woche aus. Keiner merkt mir an wie sehr ich an meinem Studium und meinem Job zweifle. 
Während einige zuerst zur Bar laufen, stehe ich im Club sofort auf der Tanzfläche und tu das, was ich am liebsten tu. 

Tanzen... Die Woche und die Welt vergessen... 

Die Freiheit spüren!




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