Freitag, Juli 31, 2015

Freitagspost: Wer nichts wird, wird Wirt..


... und wer das nicht wird, wird Betriebswirt...


Jahrgangsstufe 1, erster G8 Jahrgang und keinen Plan. Lenchen weiß schon jetzt, ihr Traum ist es Ärztin zu werden, Leben zu retten und dafür würde sie alles tun. Anna weiß genau, Chemie ist voll ihr Ding, während Lisa Lehrerin für Mathe und Physik werden will. Sophia geht erstmal als Aupair ins Ausland.
Und ich? Ein Jahr vor dem ersten großen Meilenstein meines Lebens, weiß ich nicht was ich mit meinem Abitur machen möchte. Work and Travel, FSJ, FÖJ oder Aupair? Nein danke, wozu habe ich denn G8 gemacht wenn ich am Ende genauso alt bin wie alle anderen. Studieren möchte ich, aber was nur? Sport finde ich cool, nein am Ende bin ich wahrscheinlich arbeitslos oder werde Lehrer. Warum nicht gleich auf Lehramt studieren? Hach das macht doch jeder und der Bedarf  ist auch dort bald gedeckt.. Auf, bewerbe dich doch einfach mal für ein duales Studium, dann hast du immerhin überhaupt etwas..
Gesagt getan, eher schlecht als recht  6 Bewerbungen hingeklatscht und 2 Zusagen bekommen. So wurde ich also zum Betriebswirt.




Teil dieser Sekte der Unentschlossenen und Karrieregeilen, der Hipster und Schnösel.. einem kreativen Chaos unkreativer Menschen.. Doch wo war ich hier einzuordnen? Ralph Lauren, Hilfiger und Marc' o Polo waren genauso wenig mein Ding, wie Iphones und Nerdbrillen, die hier scheinbar zur Uniform gehörten. Inmitten dieser bunt gemischten Masse saß ich also in meiner ersten Vorlesung, die zufällig auf meinen 19. Geburtstag fiel. Nie hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt vorstellen können, dass ich mal so werde wie ich heute bin.

Schnell war mir klar, dass ein BWL-Studium nichts verkehrtes ist, denn es war meist sehr interessant und mein Gelerntes konnte ich auch im Unternehmen vielseitig einsetzen. Außerdem liest man ja überall "DH-Studenten werden zu 90 % übernommen". Dieses Wissen verleiht einem zwar keine Flügel, aber doch eine Gewisse Sicherheit, denn nach dem Studium stehe ich nicht wieder so da wie nach dem Abi!

Inzwischen hat sich jedoch nicht nur das Brillengestell auf meiner Nase, das Handy und meine Einstellung zu Betriebswirten geändert, nein auch die Sicherheit ist verschwunden. Als nun Vollwertiges Mitglied der BWL-Sekte habe ich mich gut angepasst, bin aber dennoch meinem Stil treu geblieben und schwimme gerne mal gegen den Strom.

Was meine Zukunft angeht, tue ich das auf alle Fälle, denn im Gegensatz zu den anderen Unternehmen, kann meines mich leider nicht übernehmen. Nicht, dass ich ein schlechter Mensch wäre oder versagt hätte. Es gibt schlichtweg keine Stellen für Betriebswirte bei meinem Arbeitgeber. Also stehe ich wieder da wie vor 3 Jahren, nur noch schlimmer. Die Betriebswirtschaftslehre ist einfach sooooo breit gefächert, dass ich nicht weiß in welche Richtung mein erster Job gehen soll. Diese Entscheidung ist jedoch sehr wichtig, denn das werde ich dann wohl auch mein ganzes Leben tun. Meine Heimat verlassen?! Nein, irgendwie will ich das nicht. Ein Praktikum im Ausland sähe doch auch gut aus im Lebenslauf. Oder doch lieber sofort den Master machen? Wer kann schon von sich behaupten, dass er mit 23 Jahren den Master fertig hat?

Fragen über Fragen... Betriebswirte rechnen, kalkulieren und planen zwar wie die Weltmeister, aber tief im Inneren sind sie doch nur Menschen mit Problemen wie du und ich...

Kommentare:

  1. Meine Schwester hat damals (noch nicht G8) BWL studiert bis zum Bachelor. Heute sagt sie, dass sie doch lieber den Master hätte machen sollen, da sie damit im Endeffekt mehr Geld verdienen würde. Ihr erster Job war bei K&N in der Logistikabteilung (d.h. Einkauf). Mittlerweile arbeitet ist sie Unternehmensberaterin. Du musst dich also noch nicht jetzt festlegen, aber nur mal so eine Anregung, möchtest du noch mal studieren, also den Master machen, wenn du schon im Berufsleben stehst?
    Hoffe das konnte dir vielleicht helfen. Toller Post übrigends!

    Liebste Grüße Bea

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  2. Ich mag diesen Post und die Art wie du schreibst, allein die Überschrift ist super! Ich wusste nach der Schule auch absolut nicht was ich tun soll - mittlerweile mache ich aber meinen Wirtschaftsfachwirt ;)

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